Armin Grau/Karo Otte: Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau „Das Versprechen, niemanden im Alter alleine zu lassen, müssen wir aufrechterhalten. So könnte eine sinnvolle Reform der Rente aussehen“

Das Versprechen, niemanden im Alter alleine zu lassen, müssen wir aufrechterhalten. So könnte eine sinnvolle Reform der Rente aussehen. Ein Gastbeitrag.

Die gesetzliche Rente ist keine Sozialleistung, sondern eine Versicherungsleistung, die sich die Menschen durch Beiträge erarbeiten. Sie ist das Versprechen unserer Gesellschaft, niemanden im Alter alleine zu lassen und die Lebensleistung aller zu würdigen. Dieses Versprechen müssen wir aufrechterhalten, gerade auch für junge Menschen, die immer weniger an die Rente glauben.

Im internationalen Vergleich sind die Renten bei uns relativ niedrig. Das Rentenniveau ist von 60 Prozent vor knapp 50 Jahren auf 48 Prozent gesenkt worden. Für viele Menschen reichen die Renten trotz lebenslanger Arbeit nicht, um ohne Grundsicherung auszukommen. Deswegen darf das Rentenniveau nicht weiter sinken, sondern es muss perspektivisch steigen. Davon profitieren alle Generationen; die interne Rendite der Rentenbeiträge liegt für alle Jahrgänge bei drei bis vier Prozent und damit höher als für manche Kapitalanlagen.

Rente: Müssen freiwilliges längeres Arbeiten in guter Gesundheit ermöglichen

Durch die demografische Entwicklung steht die Rentenversicherung vor großen Aufgaben. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Beitragszahlenden und Rentenbeziehenden – und das ist mit rund zwei zu eins viele Jahre stabil geblieben. Die entscheidenden politischen Stellschrauben liegen im Arbeitsmarkt: mehr Fachkräfteeinwanderung, Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit vor allem durch bessere Kinderbetreuung, gute Löhne und weniger Frühverrentung.

Durch mehr Prävention und Rehabilitation müssen wir freiwilliges längeres Arbeiten in guter Gesundheit ermöglichen und so das tatsächliche Renteneintrittsalter, das 2024 im Schnitt bei 64,7 Jahren lag, weiter erhöhen. Wer nicht länger arbeiten kann, soll von einer verbesserten Erwerbsminderungsrente und einer neuen Berufsunfähigkeitsrente profitieren.

Die Lebenserwartung ist seit 2012 langsamer gestiegen als das gesetzliche Renteneintrittsalter. Diese Vorleistung der Menschen ist ein Argument gegen eine rasche weitere Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters

Die Bundeszuschüsse müssen die nicht beitragsgedeckten Leistungen finanzieren. Damit kann der Anstieg der Beitragssätze, die bei geringen Einkommen die Hauptbelastung darstellen, gering gehalten werden. Eine ergänzende Kapitaldeckung aus Bundes-, aber nicht aus Beitragsmitteln kann hierbei unterstützen.

Eine Einbeziehung weiterer Berufsgruppen, vor allem der Selbstständigen, ermöglicht Einführungsgewinne für die Rentenversicherung und eine bessere Absicherung vieler Selbstständiger. Auch Abgeordnete müssen endlich in die gesetzliche Rente einzahlen.

Es wäre falsch, die Witwenrente durch ein verpflichtendes Rentensplitting zu ersetzen

Die Armutsquote ist im Alter über 65 höher als im Bevölkerungsdurchschnitt. Neben der Niveausicherung braucht es die Grüne Garantierente. Sie garantiert für alle ab 30 Versicherungsjahren 30 Beitragspunkte und damit ab Juli 2026 1.276 Euro. Altersarmut ist vornehmlich weiblich. Es wäre falsch, die Witwenrente durch ein verpflichtendes Rentensplitting zu ersetzen und so viele Frauen schlechter zu stellen.

Die gesetzliche Rente kann den Lebensstandard nicht mehr alleine sichern. Ein Ausbau der betrieblichen und privaten Altersvorsorge ist notwendig, etwa durch ein obligatorisches Angebot einer Betriebsrente mit einer mindestens paritätischen Arbeitgeberbeteiligung und eine Öffnung des öffentlichen Standardprodukts der privaten Altersvorsorge für die Betriebsrenten.

Die Rentenkommission legt in Kürze ihre Empfehlungen vor. Die hier dargestellten Punkte sollten Teil der Reform der Bundesregierung sein. Sozialer Kahlschlag ist nicht nötig, wenn vernünftige Reformschritte entschlossen angegangen werden.

Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/rentenniveau-soll-perspektivisch-steigen-nicht-weiter-sinken-94355706.html

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