Zu der Forderung von Bundeskanzler Friedrich Merz, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, erklärt Armin Grau MdB, Sprecher für Arbeits- und Sozialpolitik von Bündnis 90/Die Grünen, Gesundheitspolitiker und Arzt:
„Die Forderung des Bundeskanzlers geht an der Realität vorbei. Telefonische Krankschreibungen machen nur 0,9 Prozent der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus. Außerdem sind die Krankschreibungen 2025 im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht rückläufig.“
Grau betont die praktischen Vorteile der Regelung: „Die telefonische Krankschreibung entlastet die Arztpraxen spürbar und reduziert unnötige Arztkontakte. Ich kenne lange Schlangen vor Arztpraxen und volle Wartezimmer. Das sollte sich Kanzler Merz auch mal selber ansehen. Telefonische Krankschreibungen sind medizinisch sinnvoll und schützen Patientinnen und Patienten sowie das Praxispersonal.“
Die Forderung sende zudem ein falsches politisches Signal: „Wenn der Bundeskanzler diese Möglichkeit infrage stellt, ist das ein respektloses Signal gegenüber den Beschäftigten in Deutschland. Statt Vertrauen zu zeigen, wird pauschal Misstrauen gesät.“
Grau verweist auf tiefgreifende Veränderungen in der Arbeitswelt: „Arbeitsverdichtung, steigender Leistungsdruck sowie zunehmende physische und psychische Belastungen prägen heute den Alltag vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Darüber müssen wir sprechen. Wer krank ist, ist krank – unabhängig davon, ob der Arztkontakt persönlich oder telefonisch erfolgt.“
Die Debatte dürfe nicht auf dem Rücken der Beschäftigten geführt werden: „Pauschale Vorwürfe gegenüber allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland sind unangebracht und unsozial. Wir brauchen eine moderne Arbeits- und Gesundheitspolitik, die sich an der Lebensrealität der Menschen orientiert – nicht Symbolpolitik.“
