Anlässlich einer neuen internationalen Studie wies das Bundesinstitut für Bevölkerungsentwicklung (BiB) gestern darauf hin, dass Deutschland bei der vermeidbaren Sterblichkeit (Mortalität) im Vergleich zu anderen west- und südeuropäischen Ländern trotz Verbesserungen weiterhin zurückhängt und sich die Unterschiede teilweise sogar vergrößern (https://www.bib.bund.de/DE/Presse/Mitteilungen/2026/2026-04-09-Vermeidbare-Sterblichkeit-in-Westeuropa.html). Heute hat Bundesministerin Reiche zum wiederholten Male eine Bindung des Renteneintrittsalters and die Lebenserwartung gefordert.
Dazu erklärt der Sprecher für Arbeit und Soziales und Gesundheitspolitiker der Grünen Bundestagsfraktion Armin Grau:
„Wir müssen in Deutschland endlich unsere Hausaufgaben machen und bei Prävention und Gesundheitsförderung aufholen. Das sind wir den Menschen in unserem Land schuldig. Durch Vorbeugung und frühe Behandlung lassen sich so viele Krankheiten und Todesfälle und damit viel menschliches Leid vermeiden.
Darüber hinaus können wir auf diesem Weg auch viel Geld sparen und die hohen Defizite in der gesetzlichen Krankenkasse und den Druck auf die Beitragssätze deutlich verringern. Höhere Steuern auf Tabak und Alkohol und eine Zuckerabgabe, deren Mittel ins Gesundheitssystem fließen sollen, sind hier ein ganz wichtiges Element, mehr Bewegung und insgesamt gesündere Ernährung ein weiteres.
Auch auf die Rente haben Prävention und Gesundheitsförderung einen großen Einfluss. Unsere Lebenserwartung hat in den letzten rund 15 Jahren kaum mehr zugenommen. Das steht auch im Zusammenhang mit der hohen vermeidbaren Sterblichkeit in unserem Land. Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit durch den Anstieg des Rentenalters war deutlich stärker ausgeprägt als die Verlängerung der Lebenserwartung.
In dieser Situation muss es zuerst einmal darum gehen, ein freiwilliges längeres gesundes Arbeiten zu ermöglichen und nicht auf eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters zu setzen. Das gilt auch für eine Verlängerung der Lebensalterszeit entlang der Lebenserwartung, wie es Ministerin Reiche fordert, im Übrigen eine Maßnahme, die kaum etwas bringt, solange die Lebenserwartung nicht wieder stärker steigt.
Die Aufgaben für mehr Prävention und Gesundheitsförderung betreffen ganz Deutschland, besonders wichtig sind sie in Nord- und Ostdeutschland, wo die vermeidbare Sterblichkeit noch höher ist als in anderen Teilen Deutschlands.
