Die Einführung eines Primärversorgungssystems ist aktuell ein Schwerpunkt der gesundheitspolitischen Debatte. Jetzt haben sich auch die maßgeblichen Patientenorganisationen, die in der BAG Selbsthilfe zusammengeschlossen sind, zu Wort gemeldet.*
Zum Thema Primärversorgungssystem erklärt der Sprecher für Arbeit und Soziales der Grünen Bundestagsfraktion und für das Thema zuständige Gesundheitsexperte Armin Grau:
„Die Einführung eines Primärversorgungssystems mit Hausarztpraxen als Erstansprechpartnern und Lotsen durch das Gesundheitssystem ist eine dringend erforderliche Reform. Eine enge Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheitsberufe in den Praxen und digitale, zeitsparende Verfahren müssen Kernelemente einer Reform sein. Das Motto muss lauten: “digital vor ambulant vor stationär“.
Bei der Reform müssen die Bedarfe der Patientinnen und Patienten ganz im Vordergrund stehen. Das machen die Patientenorganisationen zurecht ganz deutlich. Ich unterstütze die Forderungen der Patientenverbände nachdrücklich.
Wichtige Reformelemente müssen der Erhalt der freien Arztwahl und eine Termingarantie für die fachärztliche Versorgung sein. Der Zugang zu Fachärzten darf nicht gefährdet werden, aber er muss besser koordiniert werden. Für chronisch Kranke, die bereits gut fachärztlich angebunden sind, dürfen keine Hürden in der Versorgung entstehen. Bei psychischen Erkrankungen muss der direkte Zugang zur Psychotherapie erhalten bleiben. Diese Forderungen der Patientenverbände stellen wir Grünen auch in unserem Antrag zur Primärversorgung.
Die Patientenverbände fordern mehr barrierefreie Praxiszugänge für Menschen mit Behinderungen sowie ein Transparenzportal und Informationen zur Versorgungsqualität für die Patientinnen und Patienten. Das sind wichtige Vorschläge, die die Debatte bereichern.
Erhöhte Zuzahlungen oder Praxisgebühren sind dagegen der falsche Weg, sie verstärken die sozialen Unterschiede und sind in der Versorgung bereits gescheitert.
Die BAG Selbsthilfe fordert auch einen stärkeren Schutz vor Gewinnmaximierungsabsichten in der Gesundheitsversorgung. Mit unserem Antrag zu den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) machen wir konkrete Vorschläge zur Beschränkung investorengeführter MVZ so wie es auch die Bundesärztekammer, der Bundesrat oder die bayerische Landesregierung fordern. Die Bundesregierung muss sowohl bei den MVZ als auch beim Thema Primärversorgungssystem endlich handeln.“
*https://www.bag-selbsthilfe.de/aktuelles/nachrichten/detail/news/pressemitteilung-das-primaerversorgungssystem-im-gesundheitswesen-darf-kein-huerdenlauf-fuer-patientinnen-werden
Antrag der Grünen Bundestagsfraktion zur Primärversorgung
https://dserver.bundestag.de/btd/21/028/2102823.pdf <https://portalc.dbtg.de/btd/21/028/,DanaInfo=dserver.bundestag.de,SSL+2102823.pdf>
Antrag der Grünen Bundestagsfraktion zu MVZ:
https://dserver.bundestag.de/btd/21/016/2101667.pdf <https://portalc.dbtg.de/btd/21/016/,DanaInfo=dserver.bundestag.de,SSL+2101667.pdf>
Links zu iMVZ
https://background.tagesspiegel.de/gesundheit-und-e-health/briefing/draengen-aus-bayern-auf-schnelle-regulierung <https://portalc.dbtg.de/gesundheit-und-e-health/briefing/,DanaInfo=background.tagesspiegel.de,SSL+draengen-aus-bayern-auf-schnelle-regulierung>
