Nach den Berichten eines deutschen Boulevard-Blattes soll das gesetzliche Renteneintrittsalter stufenweise bis zum Anfang der 60er Jahre auf 70 Jahre steigen und das Rentenniveau von jetzt 48 % auf 46 % sinken.
Dazu äußert sich der Sprecher für Arbeit und Soziales und Renten- und Gesundheitsexperte der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Armin Grau wie folgt:
„Die Vorschläge gehen, wenn die Nachrichten so stimmen sollten, in die völlig falsche Richtung. In den letzten rund 15 Jahren ist die zusätzliche Lebenserwartung ab 65 Jahren langsamer gestiegen als das gesetzliche Renteneintrittsalter. Das heißt, die Menschen arbeiten mehr, aber haben weniger arbeitsfreie Lebenszeit im Alter. Viele Menschen schaffen es heute schon gesundheitlich nicht bis 66 oder 67 zu arbeiten. Eine weitere verpflichtende Verlängerung belastet diese Menschen noch mehr. Was wir brauchen, ist mehr Prävention, Gesundheitsförderung und Reha, damit mehr Menschen freiwillig und mit Freude am Beruf länger arbeiten können. Dafür tut die Regierung aber bislang gar nichts.
Seit Jahrzehnten hinken die Renten der Entwicklung der Löhne und Gehälter immer stärker hinterher. Durch eine weitere Absenkung des Rentenniveaus wird diese Differenz noch größer und immer mehr Menschen rutschen in Altersarmut. Im internationalen Vergleich sind die Renten in Deutschland heute schon sehr niedrig und wir geben gemessen an unserer Wirtschaftsleistung unterdurchschnittlich wenig für die Renten aus. Auch die prozentuale Belastung des Bundeshaushalts steigt keineswegs. Gerade die Jüngeren brauchen mindestens ein stabiles Rentenniveau, um später ausreichende Renten zu bekommen. Nur wenn auch sie sich auf die Rentenversicherung verlassen können, kann eine Rentenreform generationengerecht sein. Der Weg dahin geht vor allem über mehr Fachkräfteeinwanderung und eine höhere Frauenerwerbstätigkeit, das war auch das Erfolgsrezept der letzten 20 Jahre, das uns den niedrigen Beitragssatz von 18,6 % ermöglicht hat.
Die eilige Distanzierung der Kommissionsmitglieder Pascal Reddig und Annika Klose zeigt, dass die Koalition die Kritik wenigstens wahrzunehmen scheint. Hoffentlich sind damit solch willkürliche, drastische und unnötige Kürzungen vom Tisch.“
