Anlässlich des Auftaktgesprächs im Bundesministerium für Gesundheit zur Einführung eines Primärversorgungssystems äußert sich der thematisch zuständige Grüne Gesundheitspolitiker Armin Grau wie folgt:
„Während Ministerin Warken dem Thema Primärversorgung bisher keine Priorität beigemessen hat und bei ihren Überlegungen noch ganz am Anfang steht, haben wir Grüne bereits Ende 2025 einen umfassenden Antrag zur Schaffung eines Primärversorgungssystems als ein zentrales gesundheitspolitisches Reformvorhaben in den Bundestag eingebracht“.
„Eine moderne Primärversorgung ist weit mehr als ein reines Primärarztsystem. Wir brauchen multiprofessionelle Teams, digitale Werkzeuge und eine echte Koordination der Versorgung – damit Patientinnen und Patienten wohnortnah, schnell und gut behandelt werden. Die primärversorgenden Praxen übernehmen dabei eine klare Lotsenfunktion. Ziel ist eine ganzheitliche Versorgung unter dem Motto „digital vor ambulant vor stationär“.
Erwachsene schreiben sich in einer Hausarztpraxis ein, Kinder werden von Ihren Eltern in Kinderarztpraxen eingeschrieben, die jeweils als Primärversorgungspraxen dienen. Für die Einschreibung wird es finanzielle Anreize geben. Hausarztpraxen können 80 bis 90% der medizinischen Probleme selbst lösen. Daher sind sie bei neu auftretenden gesundheitlichen Fragen die verlässliche Erstanlaufstelle. Ausnahmen gelten für Gynäkologie, Augenheilkunde und Psychiatrie und Psychotherapie. Die Primärarztpraxis überweist bei medizinischem Bedarf an Fachärztinnen und Fachärzte, wo eingeschriebene Patientinnen bevorzugt Termine erhalten. Die Primärversorgungspraxis bietet Hausbesuche, Videosprechstunden und Möglichkeiten der digitalen Kontaktaufnahme an zur Entlastung von Praxispersonal und Patientinnen und Patienten.“
„Angesichts des Rückgangs an Hausärztinnen und Hausärzten und des demographischen Wandels brauchen wir multiprofessionelle Primärversorgungsteams, in denen die unterschiedlichen Gesundheitsberufe eng zusammenarbeiten. Viele jüngere Menschen bevorzugen heute eine Mitarbeit in multidisziplinären und interprofessionellen Teams im Gesundheitswesen und ließen sich für eine Mitarbeit in den Praxen gewinnen“, so Grau.
„Mittelfristig kann durch ein so konzipiertes Primärversorgungssystem, bei der möglichst viele fallabschließende Behandlungen in den Primärversorgungspraxen stattfinden, Geld eingespart und so die finanziell angespannte GKV entlastet werden. „Eine starke Primärversorgung ist der Schlüssel dafür, dass unser Gesundheitssystem zukunftsfähig bleibt. „, erklärt Armin Grau.
Hintergrund: Zentrale Elemente des Antrags
. Teambasierte Primärversorgung
Multiprofessionelle Teams sollen Versorgungsaufgaben gemeinsam übernehmen. Ärztinnen und Ärzte werden entlastet, delegierte Leistungen angemessen vergütet.
. Einschreibung in eine Primärversorgungspraxis bei freier Arztwahl
Versicherte schreiben sich ein, können jederzeit wechseln und profitieren von effizienter, digital unterstützter Terminsteuerung.
. Ausnahmen vom Überweisungsvorbehalt
Für z. B. Gynäkologie/Geburtshilfe, Augenheilkunde, Psychiatrie/Psychotherapie, chronisch Erkrankte mit Dauerbehandlung und schwerere Notfälle.
. Moderne digitale Werkzeuge und KI
Von digitaler Ersteinschätzung bis KI-gestützter Dokumentation – digitale Lösungen sollen Wartezeiten reduzieren und Praxisteams entlasten.
. Stärkung und Ausweitung der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV)
Die gesetzliche Pflicht aller Krankenkassen, eine HZV anzubieten, soll endlich faktisch durchgesetzt werden. Einheitliche Rahmenbedingungen sollen die HZV bundesweit stärken.
. Anreize für Einschreibung
Boni oder verminderte Zuzahlungen sollen die Teilnahme fördern. Die Termingarantie bei Überweisungen in Facharztpraxen stellt einen wesentlichen Anreiz dar.
. Regionale Unterversorgung beheben
Alle Versicherten sollen innerhalb von 20 PKW-Minuten eine haus- oder kinderärztliche Praxis erreichen.
